Glaubst du an die Auferstehung?

Maria, was bedeutet es, an die Auferstehung Deines Sohnes zu glauben?

Maria, was geschah an jenem Morgen?
War es leicht, für Maria Magdalena,
für Petrus und für die Apostel,
an die Auferstehung Jesu zu glauben?

Warum ist dein Sohn dir nicht erschienen?
Dich ging es doch am meisten an!
Warst du vielleicht die einzige,
die dies nicht nötig hatte, um zu glauben?

„Nun, ich sage es dir,
und vergiss es nicht:
Die Augen lassen sich leicht täuschen,
allenfalls sehen sie Zeichen. Doch:

Wenn du am Morgen heiter aufstehst,
wenn du der aufgehenden Sonne zusingst,
wenn du mit Freude an deine Arbeit gehst,
glaubst du an die Auferstehung.

Wenn du deinem Feind verzeihst,
wenn du Hungernden zu essen gibst,
wenn du den Schwachen verteidigst,
glaubst du an die Auferstehung.

Wenn du Mut hast, dich zu binden,
das Kind annimmst, das zur Welt kommt,
um es dann wieder loszulassen,
glaubst du an die Auferstehung.

An die Auferstehung glauben bedeutet:
das Leben mit Vertrauen umfangen,
dem Bruder Gutes zuzutrauen,
vor niemandem Angst haben.

Es heißt also glauben, ohne zu sehen.
Was half das Sehen,
wenn sogar Maria Magdalena
Jesus mit dem Gärtner verwechselte?“

Frei nach Carlo Caretto:“Gib mir deinen Glauben“

Zweifel – ein Bestandteil des Glaubens

In essenziellen Fragen des Glaubens, wie der Auferstehung, werde ich immer wieder einmal zur Agnostikerin, zur Zweiflerin. Wenn Menschen, die mir nahestehen, staunend fragen:“ Das kannst du doch nicht wirklich glauben?“ Dann frage ich mich, ob ich da einer Geschichte  verfallen bin, ob es eine jener kirchlichen Lehren ist, die ich da und dort hinterfrage, für mich zurechtrücke und glaubhaft mache? Und ich weiß mich in guter Gesellschaft. Zweifel ist ein Bestandteil des Glaubens.

So schreibt Susanne Rakowitz in der Kleinen Zeitung: “Welche Form von Glauben wir auch immer meinen, eines eint sie alle: Gerade in den dunkelsten Stunden, da, wo Hilfe nottut, da lässt er einen zweifeln, einen zappeln. Da zeigt sich, dass zu glauben nichts für Schnäppchenjäger ist, die auf die Instanterfüllung ihrer Bedürfnisse hoffen. Dieser Zweifel rüttelt und zerrt am Band, das der Glaube in guten Zeiten geknüpft hat.“

Dann ist’s gut, wenn man wieder neue Fäden des Glaubens einknüpfen kann, um das Band reissfest zu machen.

Nicht ganz freiwillig habe ich heuer viele Tage der Fastenzeit wie in einer Einsiedelei gelebt. An manchen Tagen war ich mein einziger Gesprächspartner, und ich verstehe, warum man dann auch schon einmal laut mit sich spricht. Könnt’ ja sonst einrosten, die Sprache.

Und dann hat mir die digitale Welt Menschen ins Haus gespült, die als „lebendige Bibliothek“ meine Wege markiert haben.

Eine davon ist Sabine Lichtenfels:  Eine deutsche Autorin, Friedensaktivistin, Theologin, Mitgründerin des Friedensforschungszentrums Tamera und eine der 1000 Frauen, die 2005  für den Friedensnobelpreis nominiert waren. 

Eine klassische Frau der 68iger Bewegung, durch und durch Revolution. Alles an ihr hätte in mir eher Befremden und Erstaunen, als Bewunderung ausgelöst, bis ich in einem Interview, das ich zufällig sah, eine spirituelle Kraft erkannte, die mich in ihren Bann zog und so habe ich mich mit ihrer Arbeit beschäftigt.

Wie schaut mein Gott aus, zu dem ich bete?

Eine wesentliches Thema von Sabine Lichtenfels ist die Gebetsforschung. Wie schaut mein Gott aus, zu dem ich bete? Tun sich atheistische Menschen da leichter, weil ihr „Gott“ der Kosmos ist, der vielleicht größer ist, die universelle Lebenskraft? Tue ich mir da leichter, mich mit ihr zu verbinden, als mit dem Gottesbild, das ich in mir trage? 

Ein kleiner Auszug aus ihrer Gebetspraxis: „Im Gebet verbinde ich mich mit der Denkkraft des Herzens. Eine wesentliche Quelle des Gebetes ist der Dank. Oft komme ich erst im Dank in die volle Wahrnehmung dessen, was mir aus der Welt entgegenkommt. Ge-bet ( auch gebet), nehmet, danket ( auch Ge-danken). Die Bitte ist ein wichtiges Element. Gott wünscht den freien Menschen,  und wenn Ängste unserer formulierten Bitte entgegenstehen, dann ist das wie ein Rauschen im Gebetskanal.“

Wann sonst soll ich beten, als wenn ich vor Angst fast umkomme? Sabine Lichtenfels rät, Zeuge der eigenen Angst zu werden. Sie anzuschauen, ernst zu nehmen und in ihre Einzelteile zu zerlegen. Damit bringe ich schon einmal Licht ins Geschehen und kann die Bedrohung ein bisschen besser einschätzen. 

„Wir müssen eine

heilende Vision

für unsere Erde

finden,

an die wir glauben

können.“

– Sissy Sonnleitner

Sei ein Zeuge deiner Angst

Und dann kommt die große Aufgabe, von der Angst ins Vertrauen zu kommen. Ins Vertrauen in mich, ins Leben, ins Universum, in einen helfenden Gott. Wenn ich im Vertrauen bin, kommuniziere ich anders, als im Zustand des Misstrauens und der Angst. Im Vertrauen öffne ich alle Sinne der Welt entgegen. In Angst und Misstrauen verschließen sich meine Kommunikations-organe, ich bin nicht mehr offen für die Wahrnehmung.

„Hilf dir selbst, dann hat dir Gott geholfen“, sagt man so flapsig im Volksmund, aber geht es nicht genau darum: die eigenen Kräfte zu erkennen und zu mobilisieren, von der Angst ins Vertrauen und in die Liebe zu kommen, die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen und dann die klare Bitte zu formulieren? 

Nun, was hat das mit Auferstehung zu tun?

Sie ist eine der besten Möglichkeiten, sich im Glauben immer wieder zu üben. Ich denke, wir müssen fürs glauben immer wieder auf der Übungsmatte erscheinen. Wie wollen wir sonst eine heilende Vision für unsere Erde finden, an die wir glauben können? Wie wollen wir unseren Kindern und Enkelkindern Vertrauen lernen, wenn wir selbst nicht glauben können? 

„Wer glaubt, ehe er sieht, sieht auch anders“, hat es Klaus Einspieler in seinem Bibelseminar über das Johannesevangelium formuliert. Der Blick weitet sich, andere Wege erscheinen und machen andere Entscheidungen möglich.

Die Welt braucht unser leidenschaftliches Engagement. Die gute Nachricht: das Leben selbst ist immer auf Heilung aus. Das ist die Quelle der Hoffnung. Die Größe der Aufgabe lässt einen freilich erschaudern.

Um sich dieser Aufgabe zu nähern, braucht es Beziehung, Vertrauen und Glauben. 

Ich bin auf meinem Lebensweg vielen Menschen begegnet. Manche hatten einen ähnlichen Glauben, wie ich, gehörten einer Religion an, manche sind mit Religion nie in Berührung gekommen und hatten doch eine Lebenshaltung, die mich beeindruckt hat. Ihr Gott war das Lebensvertrauen. Manchmal hatte ich den Eindruck, ihr Lebensvertrauen war stärker, als mein Gottvertrauen. Oder wie Friedrich Nietzsche, der Atheist war, es formulierte: „Erlöster müssten sie mir ausschauen, die Christen.“

Gebet besteht nicht in dem Bemühen,
Gott zu erreichen,
sondern darin, unsere Augen zu öffnen
und zu erkennen,
dass Gott schon in uns ist.

Thomas Merton

So habe ich gelernt: man muss nicht an Gott glauben, um beten zu können, um aufrecht und mit guten Werten durchs Leben zu gehen und auch für das Leben nach dem Tod eine gute Vision zu haben.

Meine Religion ist mein Kulturkreis

Ich habe in meiner Religion das Glauben gelernt, ich tauche ein in die Mysterien von Christi Geburt, Leben, Wirken und Auferstehung und halte diesen Fokus im Rahmen der Eucharistiefeier. 

Das ist meine Wurzel des Glaubens. Meine Religion zu verlassen, hieße, mich zu entwurzeln.

Ich nutze meinen neugierigen, wachen Geist, um unpassende Glaubensmuster zu hinterfragen, aufzulösen und gebe mich nicht nur mit Vorgekautem zufrieden. Ich bin ein geistgewirktes, schöpferisches, göttliches Wesen und grad wenn weibliche Aspekte aller Art auftauchen, blitzt mein Geist unübersehbar auf.  

Im Namen der Religion sind furchtbare Dinge passiert und sie passieren auch heute noch. Patriarchale Religionen stellen den Mann mit Kraft, Wissen und Fähigkeit über die Frau. Ich muss dagegen nicht mehr kämpfen, ich nehme mir die Freiheit, eine eigene *autochtone, weibliche Spiritualität zu finden, sozusagen eine Urspiritualität. Sabine Lichtenfels ist dafür eine gute Prophetin, ich finde diese Urquelle aber auch im Austausch mit guten TheologInnen und LehrerInnen meiner Kirche.

* am Fundort vorkommend, kennt man unter anderem auch von Rebsorten

Weck mich auf, Herr, wenn ich schlafe

Auferstehung passiert jeden Tag: wenn die Nacht dem Tag weicht, wenn ich mich dankbar, voll Freude und mit einer guten Vision auf den Weg mache, wenn ich mich frage, was in mir, in meinem Gegenüber auferstehen möchte, wenn ich mich zurücknehme um dem Anderen Raum zu geben und wenn ich erkenne, dass ich in manchen Bereichen loslassen kann und muss, um dem Heiligen Geist Raum zu lassen. 

Mit Joseph Roth stimme ich ein in den Wunsch nach ewigen Ostern: „ Wie wäre es mit der Auferstehung der Lebendigen? Ich hege den kindischen Wunsch, ewige Ostern zu genießen. Ich möchte eine unaufhörliche Kette von Auferstehungen erleben und den tröstenden Gesang der Osterglocken in einen Dauerchoral verwandelt wissen.“

Mit einem Augenzwinkern: Mag. Ernst Windbichler, Stadtpfarrer in Spittal an der Drau sagt, dass Jesus nach seiner Auferstehung zuerst den Frauen erschienen ist, ist für ihn ein Indiz der Echtheit der Auferstehung. Wäre sie erfunden, wäre Jesus wohl zuerst dem Petrus erschienen.

Ich freu’ mich auf Ostern, ich glaube an die Auferstehung und wünsche dir ein fröhliches, glaubensstarkes, gesegnetes Fest!

Sissy

LINKS UND LITERATUR

Sabine Lichtenfels
www.tamera.org/de