Auferstehung 2020

Ostersonntag. 50 Jahre lang habe ich die Zeit um Ostern im Spagat zugebracht, bin im Karree gelaufen: kochen, putzen, dekorieren, die Familie, der Garten, meine Spiritualität. Und 2020?

steh auf
reib dir den schlaf
aus den augen
verscheuch die schatten
der nacht
geh in den morgen
zu den gräbern von gestern
im vertrauen
dass der große Stein
der lebensbehindernde
verrückt
steh auf
mit der hoffnung
dass der lebendige
der heilende CHRISTUS
dir wartet
mitten im HEUTE

– Petra Unterberger

In meinem Ruhestandsplan gab es folgende Prioritäten: Zeit für mich, die Familie, Religion, Natur und Musik.

Meine spirituelle Welt war von jeher recht offen. Zum einen bin ich ökumenisch aufgewachsen –  meine Oma war sehr katholisch, meine Mutter evangelisch und mein Vater gottgläubig. Zum anderen war da das geweitete Bild meines Ehemanns von Glauben und Religion und dann prägte mich meine jahrzehntelange Lebens-Feldforschung.

Ich mache mich auf die Suche

Mein Fastenvorsatz für 2020: Ich will in der Fastenzeit und der Karwoche in mich gehen und mich auf diese Weise der Auferstehung nähern.

Unsere Töchter sind religiös. Immer wieder überraschen sie mich mit ihrem Bibelwissen. Wenn ich mit ihnen über Glauben und Religion spreche, orte ich spirituelle Sehnsucht, aber auch Unverständnis. Ich sehe wenig sprühende Funken und merke, dass die Kirche als glaubhafte Vermittlerin der Frohbotschaft nicht mehr spürbar und wohl auch nicht akzeptiert ist. Es sind wenige Funken, die in die nächste Generation sprühen.

Da fällt mir ein Satz aus einer eindrucksvollen Predigt ein: „Man darf Gott in seinem Umfeld nicht voraussetzen, man muss ihn vorsetzen.“

Nun, ich bin Köchin! Wie man Dinge schmackhaft portioniert und entsprechend aufbereitet, dass daraus etwas höchst Genussvolles und auch gut Verdauliches wird, habe ich in ziemlicher Perfektion hinbekommen. Geht das auch mit Religion?

Ostern 2012

2012 wurde unsere erste Enkelin im Rahmen der Auferstehungsfeier um fünf Uhr morgens in Kötschach getauft. Tief ergriffen vom Mythos der Osternacht traten wir heraus auf den Kirchplatz in die aufgehende Sonne. Vor der Feier las ich in den Gesichtern mancher noch Unverständnis. Katholischer Hokuspokus zu einer unchristlichen Zeit. Und hinterher? Da war ein Strahlen und die sichtbare Freude, diese außergewöhnliche Feier in Gemeinschaft erlebt zu haben.

Wenn ich an diese Bilder denke, wünschte ich mir, dieses Strahlen, dieses unüberhör- und unübersehbare Halleluja öfter zu erleben.

Ostern 2020

Unser aller Pläne wurden 2020 weltweit durchkreuzt. Eucharistie, Karwochen- und Osterliturgie, Palmweihe, Speisensegnung – alles nur online. Eine außergewöhnliche Stimmung: die großen, leeren Kirchen, die kleine Gruppe von Zelebranten, aber auch die Vielfalt an Predigten und Auslegungen, die Ökumene, die herrliche Musik.

An meinem Hauskirchenplatz steht ein dornengekröntes Haupt. Immer wieder gewöhnungsbedürftig. Diesmal will ich mich damit auseinander setzen. Ich will meinen ganz persönlichen Jesus Christus finden.

Wieder einmal verlasse ich den Raum meiner Kirche, die mir fallweise zu eng und zu schwer ist, und suche andere glaubhafte Quellen. Heuer wird mein ganzes Sein berührt von einem Bild, das Veit Lindau anbietet. Er weiß nicht, ob er an Gott glaubt, aber eines weiß er, wie er sagt, mit Sicherheit. Der Mensch, der ihn in seinem Leben am meisten beeindruckt hat, ist Jesus Christus.

„Jeder Mythos, der sich über 2000 Jahre hält, tut dies deswegen, weil in ihm ein Bewusstseinscode eingewoben ist, der uns etwas angeht“, meint Veit Lindau. Seiner Ansicht nach, sei es ein Fehler, die Geschichte nur historisch konkret zu interpretieren. Für viel wichtiger hält er die Antworten auf folgende Fragen: Was berührt die Geschichte in mir? Warum lässt sie mich nicht los? Lindaus Antwort lautet: „Sie enthält nicht nur unsere Vergangenheit, sondern unser zukünftiges Potential. Sie geht uns was an, egal, welcher Religion wir angehören. Wir tun der Geschichte keinen Gefallen, ja wir vertun eine Riesenchance, wenn wir die Deutungshoheit über Jesus Christus nur der Kirche überlassen. Wir haben alle nicht die Deutungshoheit, aber stellen wir uns doch die Frage: was hat dieser Mensch mit mir zu tun? Jesus Christus wollte, dass wir aufwachen und begreifen, dass die Kirche des Lebens nicht aus Stein gebaut ist, sondern aus Herz.“

„Er öffne euch das innere Auge,
damit ihr seht, welche Hoffnung er euch gegeben,
zu welch großartigem Ziel er euch berufen hat“.

– EPH1,18

Mein Blick kehrt zurück zum dornengekrönten Haupt. Ein Symbol für den von Gott auserwählten, verletzten, verwundeten Menschen, der in jeder und jedem von uns ist, aber auch des zur Auferstehung erwählten Menschen, der in jedem von uns ist. GOTT ALS ICH IN MIR. Die Hoffnung.

Ich hole Jesus vom Kreuz. Komm zu uns! Komm mit deiner Kraft, deiner Weisheit, mit deiner klaren, ungetrübten Botschaft hierher und berühre uns. Lass uns dein Königreich in uns entdecken.

Dein Angesicht suche ich
mit der aufgehenden Sonne,
früh, wenn der Tag noch unverbraucht
und noch nicht Last ist.
Kein Salbgefäß* in meiner Hand,
ich glaube an die Auferstehung.
Ich suche nicht den Toten,
sondern den Lebendigen
in der Morgenzeitung,
in den Gesprächen und Begegnungen
im Berühren und in heilenden Augenblicken,
erst recht im banalen Einerlei des Tages.
Manchmal geschieht es,
da ist er zum Greifen.
Manchmal fasst er mich an der Hand
und bleibt unfassbar,
unnahbar fern.
Manchmal höre ich seinen Ruf
und meinen Namen.
Ich glaube an die Auferstehung.

– P. Leo Thenner SDS

Die Frohbotschaft der Auferstehung hat Jesus Christus zuerst den Frauen kundgetan. Ich wünsche mir so sehr, dass ein Funken meines Osterfeuers in deine Seele fällt.

HALLELUJA!

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Sissy Sonnleitner

* Maria von Magdala hatte ein Salbgefäß mit, als sie zum Grab ging, um den toten Christus zu salben.

LITERATURTIPP

Veit Lindau, Liebe radikal. Wie du deine Beziehungen zum Erblühen bringst

Veit Lindau, Königin und Samurai. Wenn Frau und Mann erwachen.