twogether.wien- Men4 Women, Women4 Men, HUMANS4 HUMANS

„We have the power to change the world“ aber es gibt nur ein Boot. Geschlechter-gerechtigkeit braucht ein faires Lobbying für beide / alle Geschlechter. Twogether ist eine Initiative für ein faires und wertschätzendes Miteinander der Geschlechter in Wirtschaft, Gesellschaft und Familie. https://www.twogether.wien

So stand es in der Einladung zu einem Symposium, das ich im September in Wien besuchte. Von der „drohenden Kompetenz und Dichte der Vortragenden“ habe ich mich fast gefürchtet. Um nur die mir Bekanntesten zu nennen: Monika Herbstrith-Lappe, Matthias Horx, Veit Lindau, André Stern.

Begründer dieser recht jungen Initiative ist Klaus Podirsky. In der ersten Begegnung mit ihm habe ich in mir ein Phänomen festgestellt, das mir bis dahin unbekannt war. Es gibt offensichtlich in meinem Unterbewusstsein einen Scanner, mit dem ich im Besonderen Männer abscanne, um zur Erkenntnis zu kommen: Freund oder Feind oder einfach dazwischen drin. 

Nicht, dass ich vor Männern je Angst gehabt hätte, ganz im Gegenteil, manchmal war mir die Zusammenarbeit mit ihnen lieber, als mit Frauen.

Meine Schubladen

Klaus kam in die Schublade: Auslaufmodell Macho, selbstbewusst, stark, bestimmend, raumfüllend, Sternzeichen Stier. Und dann beginnt der Mann zu sprechen und mir kommen die Tränen. Soviel zur Treffsicherheit meines Scanners. Und damit hatte ich bereits die erste und wesentlichste Lektion von ihm verstanden: glaub’ dir nicht alles, was du denkst und höre genau hin, um zu fühlen. 

Die Botschaft dieser Organisation: Wir brauchen keine Gleichberechtigung im herkömmlich verstandenen Sinn, wir brauchen die Gleichstellung auf der Basis der Unterschiedlichkeit, der Diversität der Geschlechter. 

Die Zukunft von Männern und Frauen braucht Empathie für den jeweils anderen und sein/ihr Geschlecht. Wir brauchen ein neues Wahrnehmungsorgan für Empathie. Statt: wer nicht hören kann, muss fühlen, wer hören will, muss fühlen. Und ich ergänze, wer fühlen will, muss hören.

Wer fühlen will,

muss hören.

– Sissy Sonnleitner

Fest der Versöhnung und Vertöchterung- wer hören will, muss fühlen

Klaus Podirsky hat, unter anderem das Buch: „Der Eisberg des Gender Gap“ geschrieben. Die Gender Gap/ Geschlechterkluft bezeichnet in Soziologie und Gesesllschaftspolitik die Unterschiede in der Gleichstellung von Frauen und Männern.

Die Spitze des Eisbergs ist bekannt: 

  • der Gender Pay Gap – der das verschiedene, durchschnittliche Arbeits-Einkommen von Männern/Frauen verdeutlicht
  • der Gender Pension Gap – der das durchschnittlich unterschiedliche Rentengehalt von Männern/Frauen verdeutlicht
  • der Gender Care Gap – er bezeichnet jenen Gap, der die geschlechtertypisch unterschiedlichen Zeiten von Pflegearbeit in der Familie verdeutlichen will

Und dann folgen weitere 53 Gaps, die eine neues Nachdenken brauchen.

Um nur einige zu nennen: 

  • Der Gender Femininity-Masculinity Gap – bezeichnet die die unausgewogene Wertschätzung von Weiblichkeit und Männlichkeit in dieser Gesellschaft

Das verstehe ich so: weibliche Anteile bei Männern und männliche Anteile bei Frauen haben noch keine ausgewogene Wertschätzung

  • Der Gender Hypergamy Gap – beschreibt, dass Frauen meist sozial und finanziell besser gestellte Partner wählen und sich kaum bereitfinden, schlechter verdienende Partner mitzuerhalten

Da hat uns die Geschichte geprägt: Soziologin Jutta Allmendinger bedauert, dass der Heiratsmarkt die Frauen immer noch besser bezahle, als der Arbeitsmarkt. Solange Teilzeitarbeit noch immer Regel ist und nicht die Ausnahme, bleibt der Heiratsmarkt für Frauen im Hinblick auf die spätere Rente zielführender, als der Arbeitsmarkt. Mit anderen Worten sichert eine Heirat ohne Ehevertrag die Rentenansprüche einer normalverdienenden Frau mit einem gut verdienenden Mann besser, als ein lebenslanger Vollzeitjob.

  • Der Gender Warm- and- Shelter Gap: beschreibt den Mangel an Geborgenheit von Vätern infolge ihrer Familienernährer – Position
  • Der Gender Empathie Gap – ergibt sich aus der Vorstellung, dass Männer entweder keine Nöte hätten, selbst an ihren Notsituationen schuld seien, bzw. solche Situationen bitte SELBST lösen mögen
  • Der Gender Support Gap – bezeichnet jenen Gap, der sich ergibt, weil es keine Männer- bzw. Burschen – Förderung gibt
  • Der Gender Mainstreaming-Taskforce Gap – beschreibt den Unterschied zwischen der Anzahl von Frauen und Männern im Bereich des Gender-Mainstreaming Manangements 
  • Der Gender Offender-Victim-Prejudice Gap – heutzutage fühlen sich beide Geschlechter in     „Opfer-und Tätergeschlecht“ eingeteilt, was weder Frauen noch Männern gerecht wird, oder ihnen dient 

Hinterfragen wir einmal

Und dann beginnt der Autor die Spitze des Eisbergs anhand der Gender Pay Gap aufzuweichen:

Der unbereinigte Gender Pay Gap (GPG) beträgt in Österreich 15,2% und wird errechnet, indem man den Bruttoverdienst der erwerbstätigen Männer und Frauen gegenüberstellt. Vergleichsweise unbekannt ist der „bereinigte GPG“, der berücksichtigt, dass Frauen aufgrund von Familien-, Erziehungs- und Pflegezeiten eine geringere Erwebstätigkeit beisteuern. Man also nur die effektiven Erwerbstätigkeits – Zeiten miteinander vergleichen kann. Dann verschiebt sich der GPG auf 3-11%. Tatsächlich wird gleiche Arbeit nahezu gleich bezahlt. 

Zwei Aha – Effekte

Ich lerne: Frauen entscheiden sich tendenziell eher für Arbeitsbereiche von Erziehung, Bildung, Gesundheit, Soziales, Pflege, Medizin etc. Das sind Bereiche, die primär aus den Transferleistungen der öffentlichen Hand gespeist werden. Und wir erleben ja gerade, wie sehr sich die Politik wehrt, z.B. den Pflegebereich und die Elementar-pädagog*innen besser zu entlohnen. 

Ich denke, viele Frauen wählen diese Bereiche aus ihrem tiefen Urinstinkt, dem Leben zu dienen und der gefühlten Sinnhaftigkeit und der zwischenmenschlichen Qualität, die von solcher Arbeit ausgeht. Privilegien, die nicht in Geld auszudrücken sind. 

Der zweite Aha – Effekt: warum wird nicht konsequent der bereinigte GPG transportiert und das Erreichte gefeiert? Könnte es sein, dass die untersuchten Daten einfach nicht ins politisch feministische Kalkül passen, um auch weiterhin den „Opfer – und Benachteiligten – Bonus“ anzutriggern? 

Mein Resümee

Da orte ich wieder einmal die destruktiven Kräfte in der Welt. Solange auf beiden Seiten nur aufgerüstet wird, kann es keinen Frieden geben und keine Co-Creation, die den Boden bereitet für die nächsten Generationen, denn es gibt nur ein Boot. Nur Frauen und Männer gemeinsam können nachhaltig Veränderung schaffen.

Meine Leidenschaft bleibt es, Frauen zu stärken, zu ermutigen, ihre Stimme zu finden und ihren Beitrag für die Welt zu leisten. Und üben wir uns gleichzeitig darin, in den Schuhen des/der anderen zu gehen, lassen unser Rechthaben zurück und gehen in eine Kommunikation, aus der Kommunion wird, die neues Leben entstehen lässt.

Diese großartige,  zivilgesellschaftliche Organisation kann man durch eine Jahresmitgliedschaft von € 25,00 unterstützen.

Meinen Scanner, mit dem ich Menschen in Schubladen stecke, habe ich im feministischen Sondermüll entsorgt, Feministin bleibe ich, denn es braucht das kreativ Weibliche als Zukunftskraft für eine verbindende Welt der Gemeinsamkeit.

Herzlichst

Sissy

LINKS UND LITERATUR

www.twogether.wien

Klaus Podirsky – Der Eisberg des Gender Gap