Zeitenwende – Wendezeiten

Als ich vor einem Jahr begonnen habe, meinen Blog zu schreiben, war mein Ziel, auf verschiedene Lebensbereiche von uns Frauen einen Scheinwerfer zu richten, und Frauen zu ermutigen, ihren Sehnsüchten zu folgen.  Soweit, so gut.

Nun waren wir alle der Meinung, Corona, und alle daraus folgenden Einschränkungen und Schäden werden mit 2020 Geschichte sein. Überraschung! Die Natur ist stärker, als unsere hochtechnisierte Wissenschaft und Forschung. Corona und Klimakrise stellen sich als Krise eines Lebensstils heraus.

„Doch das, was wir Krise nennen, sind die natürlichen Stromschnellen des Lebens. Wenn die nächste Stromschnelle kommt, mach Dich weich und geschmeidig und suche bewusst die Vereinigung mit dem Wirbel. Eine Krise ist nie das Ende, sondern immer der Anfang einer neuen Etappe“ – rät Veit Lindau

Die Lösungsbegabung

Der Humangenetiker Prof. Markus Hengstschläger attestiert uns Menschen Lösungsbegabung. Nun könnte man versucht sein, zu glauben, das träfe nur auf Wissenschaftler zu, auf Genies sozusagen, oder vielleicht auf die nächste Generation. Nein, so lange können wir nicht warten. Hengstschläger meint die kollektive Lösungsbegabung. Jede/r Einzelne leistet seinen Beitrag und zusammen ergibt es einen großen Schritt. 

Wir müssen nach jenen Lösungen suchen, die uns weltweit miteinander verbinden, denn es gibt immer weniger lokale, sondern immer mehr globale Katastrophen.

Einen faszinierenden Blick auf des Geschehen dieser besonderen Zeit wirft der Historiker Philipp Blom:

„Wir haben globale, wirtschaftliche Umstände geschaffen, die die Pandemie möglich gemacht haben. Je weiter wir in die Natur eingreifen, je öfter wird es zu solchen Vorkommnissen kommen. Das ewige Wachstum und die Beherrschung der Natur ist ausgeträumt. 

Wir sind eine Lebensform auf der Erde, längst nicht so wichtig, wie Ameisen und Plankton. 

Macht Euch die Erde untertan – die biblische Ideologie ist so schädlich geworden, dass sie vom Erfolgsrezept zum langsamen Selbstmord geworden ist. Die Erzählung, wir seien die Herren der Schöpfung, war lange erfolgreich, sie kann aber nicht mehr stimmen. Die Erde ist stärker als wir. Wir sind nicht mehr über der Natur, sondern in der Natur“.

Wir müssen nach jenen

Lösungen suchen,

die uns weltweit

miteinander

verbinden.

– Sissy Sonnleitner

Konsum – die neue Religion

Was immer wir in grauer Vorzeit taten, mussten wir mit den Göttern oder mit den Naturkräften abstimmen. Macht Euch die Erde untertan, war eine nützliche Selbstüberschätzung. Jetzt wendet sich das Blatt: wir lernen, wie verwundbar wir sind. Wir sind nicht erhaben über solche Prozesse, wir sind ihnen ausgeliefert, verstrickt. 

Der Konsum hat die Religion abgelöst: wir erlangen Identifikation über die richtige Marke am Auto, mit dem neuesten handy, mit der Marke auf meiner Kleidung. Das schafft Zugehörigkeit. Die muss man sich nicht mehr erdenken oder erarbeiten, die Gemeinschaft kann man sich kaufen. 

„Die Hyperkonsumgesellschaft, in der wir leben, will uns pausenlos Zeugs verkaufen, damit wir Spaß haben. In früheren Gesellschaften war Maßhalten und Pflichterfüllung das Selbstverständlichste auf der Welt. Das gänzlich abzuschaffen, ist wohl kein Gewinn, sondern ein Verlust. Der Bürger sieht den Staat als Dienstleister und sich selbst als Konsument, dem keine Pflichten auferlegt werden dürfen. Das ist in ein völlig infantiles Verhalten“ – schreibt der deutsche Philosoph Richard David Precht

Dem Konsumwahn unserer Zeit hält Philipp Blom entgegen: wir sind als Spezies nicht klüger, als Hefezellen. Wir fressen alles, was wir vor uns haben, bis wir dann an unseres Ausscheidungen ersticken. 

Aufbruch

Den weiten Weg des Begreifens gehen
Seite an Seite
mit dem Zweifel
Seite an Seite
mit der Angst
bis dir die Kraft wächst
den Ort zu verlassen
der dein Leben verkümmern lässt.

Antje Sabine Naegeli

Was muss heute cool werden

Neue Sichtweisen müssen „cool“ werden, schreibt Philipp Bloom: Ich trage, meine Kleidung, bis sie abgetragen ist, ich flicke sie und dann kaufe ich mir ein sehr gutes, neues Stück aus heimischer Produktion. Ich esse Lebensmittel, und schmeiß nichts weg,  ich frage mich, ob ich ein Auto brauche, wenn ich alleine lebe. Ich bewirtschafte einen kleinen Garten. Vor jedem Kauf frage ich mich eindringlich: “Brauche ich das wirklich?“

„Cool“ finde ich Persönlichkeiten, wie Heini Staudinger, der oberösterreichische Produzent der genialen Waldviertler Schuhe, der sich seit Jahrzehnten für ein wirtschaftliches Umdenken einsetzt. 

„Ich habe gelernt, dass es im Leben nichts Wichtigeres gibt als das Leben. Es ist nicht das Auto, nicht die Schuhe, nicht die Rebellion um der Rebellion willen, nicht das Unternehmertum, es ist das Leben selbst. Das wirklich Wichtige auf unserer Lebensreise ist, dass wir den göttlichen Funken, der uns als Same ins Herz gelegt ist, durch unser Leben zur Entfaltung und zur Blüte führen.“ So lautet einer der vielen Staudingersprüche.

Oder Josef Zotter, der steirische Chocolatier, Bio-Landwirt und Andersmacher, der seit vielen Jahren glaubhaft nachhaltiges Wirtschaften vorzeigt. 

Diesen göttlichen Funken in mir zu finden und zu entzünden, genau an dem Platz, an den mich das Leben gestellt hat, und zu erforschen, warum mich das Leben genau da braucht, was ich der Welt noch geben kann, was muss ich machen, weil es sonst keiner macht? Das schafft Identität.

Zeit, das Feuer zu entdecken

„Eines Tages, nachdem wir Herr der Winde, der Wellen, der Gezeiten und der Schwerkraft geworden sind, werden wir uns in Gottes Auftrag die Kräfte der Liebe nutzbar machen. Dann wird die Menschheit, zum zweiten Mal in der Weltgeschichte, das Feuer entdeckt haben.“ (Teilhard de Chardin, Jesuit und Naturwissenschaftler).

Was brennt in dir? Hüte das Feuer deiner Leidenschaft fürs Leben, denn das Leben ist immer auf Heilung aus.

Herzlichst

Sissy

LINKS UND LITERATUR

youtube philipp blom, nichts bleibt, wie es war
Die Lösungsbegabung, Prof. Markus Hengstschläger
Genesis, Veit Lindau